Sprache ist Heimat – auch bei Ortsnamen

Es ist merkwürdig :

Der „Sprachverderber“ ORF ( die Ö – Striche hat er längst der „Globalisierung“ geopfert)  berichtet über Schirennen in Spindlermühle, heute Tschechien. Anderntags, aber auch aus Harrachov, das deutsch Harrachdorf heißt. „Politisch korrekt“ (PC) oder einfach gedankenlos ?

Nun vielleicht ist der tschechisierte Name von Spindlermühle nämlich Spindlerov Mlyn unaussprechlich.

Jedenfalls sollten deutsch Sprechende immer auch die jahrhundertealten deutschen Namen hinzufügen – einfach aus Achtung vor der Geschichte und dem Schicksal der von dort brutal Vertriebenen.

Es fällt uns nicht ein Milano statt Mailand, Roma statt Rom zu sagen.

Aber schon bei Preßburg rührt sich der „PDC – Reflex“. Dabei war die Stadt drei Sprachgruppen ein Zentrum. Als Posony den Ungarn (sogar Krönungsstadt der ungarischen Könige), als Bratislava den Slowaken und als Preßburg den Deutschen bis zur Vertreibung.

Europäische Geschichte ist wechselvoll.

Geschichtsbewußtsein und Sprachbewußtsein haben viele Ähnlichkeiten. Gemeinsam ist die Achtung vor den bodenständigen, geschichtlichen Namen und Begriffen.

Es wäre wünschenswert, wenn die Wegweiser im Norden Wiens so lauteten :

Brünn/Brno, Olmütz/Olumuc, Prag/Praha.

Wir Wiener fahren doch auch über die Brünnerstraße zu den Heurigen am Bisamberg, wo wir den bekannt „reschen“ Brünnerstraßler trinken. Ein Brno-Straßler ist mir noch nie begegnet.

Sprachschutz und Sprachbewahrung schließt Orts- und Flurnamen mit ein.

Wenn nun Almen und Wege, Berge und Hügel in Südtirol flächendeckend italianisiert werden sollen, wo nie auch nur ein Italiener gelebt hat und lebt, dann ist das eine schlimme Form von Imperialismus, der im Europa des 21. Jahrhunderts nichts zu suchen hat.

Jedes Volk nennt aus seiner Geschichte heraus die Orte, in der einst oder heute Menschen dieser Sprache lebten in seiner Sprache. Die Doppelbezeichnung mancher Orte spiegelt die Geschichte wider und zeigt die Achtung vor der gemeinsamen Geschichte der Völker Europas.

Darauf zu verzichten, sich krampfhaft „politisch korrekt“ zu verhalten, bedeutet geschichtslos und „sprachlos“ zu sein.

Ein Europa der Völker, Einheit in Vielfalt bedeutet auch die Achtung und Nennung ursprünglicher Orts- und Flurbezeichnungen.

O.Univ.Prof. Dr. Werner Pfannhauser

Interessengemeinschaft Muttersprache, Graz

8047 Graz-Ragnitz, Postfach 43

muttersprache@pfannhauser.at

www.pfannhauser.at/muttersprache

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2 Antworten auf Sprache ist Heimat – auch bei Ortsnamen

  1. T. Wetschnig sagt:

    Bevor sich im 19. Jhd. der Nationalismus in Europa ausbreitete und und im 20. Jhd. zwei Mal den Subkontinent ins Verderben stürzte, war es kein Problem, daß es überall dort, wo verschiedene Sprachräume aneinander grenzten, Überscheidungszonen mit einer Breite von etwa 30 – 60 km gab, wo beide Sprachen gesprochen wurden. Da war es den Menschen völlig egal, ob der Nachbar Deutsch, Ungarisch oder Tschechisch sprach. Erst als der Nationalismus starre Grenzen zog und alle, die auf der “falschen” Seite dieser Grenzen lebten vor die Wahl stellte, sich entweder zu assimilieren oder seine sieben Sachen zu packen und zu verschwinden, ging der Frieden verloren. Nun ist die Geschichte leider geschehen und kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden, aber wenn man endlich mal kommuniziert, daß die gewaltsame Trennung von Ethnien ein Unfug war, besteht eine Chance, daß sich in Europa eine echte transkulturelle Gesellschaft entwickeln kann, in der verschiedene Kulturen verschmelzen und eine neue Kultur daraus entsteht.
    Dies wäre nichts anderes, als ein ganz natürlicher evolutionärer Vorgang.
    Und dob es in 200 oder 300 Jahren noch eine deutsche Sprache, wie wir sie heute sprechen gibt, braucht uns wohl nicht zu tangieren. Es wird sicher nicht das Ende der Menschheit sein.
    Die Sprache ist immer ein lebendiger Organismus gewesen, der durch die Zeit Veränderungen unterworfen ist. Dies erkennt man wohl am besten, wenn man eine 100 Jahre alte Zeitung liest.
    Who cares?

    Antwort:

    “Die sehr vereinfachte Darstellung der europäischen Geschichte ist ebenso falsch wie die Schlußfolgerung.

    Sprache ist Identität.
    Sprache ist Heimat.
    Ein Multikulti – Europa, das geschichtslos ist, ist ebenso gesichts- und zukunftslos.
    Die Kraft Europas steckt in in der Vielfalt seiner Kulturen und Sprachen. Die weselseitige Achtung der Vielfalt bringt Europa weiter.
    Einheit in Vielfalt soll das Ziel sein.
    Ein Einheitsbrei ist das letzte was wir wollen.”

    MfG


    O.Univ. Prof. Dr. Werner PFANNHAUSER

    • Ernst friedel sagt:

      Liebe Freunde der deutschen Sprache,
      Der 21. Februar wurde von der UNESCO weltweit zum Tag der Muttersprache ausgerufen.
      Das ist eine gute Gelegenheit auch an die deutsche Sprache zu denken und unsere Petition “Zum Schutz der deutschen Sprache” zu unterschreiben. Die Netzadresse zum Text der Petition und zum Unterschreiben finden Sie auf: http://openpetition.de/petition/online/zum-schutz-der-deutschen-sprache

      Helfen Sie uns die Petition so weit wie möglich zu verbreiten.

      Unten finden einige von vielen Kommentaren von Personen die unterschrieben haben

      Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung

      Ihr Deutschkanadischer Kongress

      Anton Bergmeier, Präsident
      Ernst Friedel, Direktor

      Für diese notwendige Petition danke ich den Initiatoren!
      Gerd Siegmund, 21. Januar, 2012

      Geist und Kultur leben in einem Volk. Das Sterben eines jeden Volkes und das Verblassen seiner Kultur wäre ein unwiederbringlicher Verlust für die Menschheit.
      Dr. Gunther Kümel, 20/12/2011

      Als Germanistikprofessor ist mir natürlich die Unterstützung der Vermittlung von deutscher Sprache und Kultur besonders wichtig.
      Prof. Dr. Mat Schulze, Waterloo, 11. Januar, 2012

      Ich bin stets gerührt, wenn aus anderen Ländern solche schönen Beiträge kommen.
      Ich bin der Regionalvorsitzende des Vereins Deutsche Sprache aus Berlin.
      Dr. Kurt Gawlitta, Jan 23, 2012

      Ich bin ein Deutschmusiker und muss diese Sache unterstützen.
      Burkhard Amend, 3.Januar, 2012

      Sprache ist Ausdruck der kulturellen Identität. Geht letztere verloren wird jene vernachlässigt.
      Heinrich F.J. Rathjen, 29. Dezember, 2012

      Der Sinn von Gedichten und Balladen ist nur in einer Muttersprache verständlich.
      Rüdiger Stöhr, 1. November, 2011

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